Familienleben

Der Tag der mein Leben veränderte

Wenn man 16 Jahre alt ist, dann macht man meist eines: Ausgehen. Ich hatte mit 16 bereits meinen ersten positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Ich? Schwanger? Ich bin doch selbst noch ein Kind, wie sollte ich ein Kind erziehen? Soll ich Abtreiben? Dieses kleine Wesen nie im Arm halten? Mich mein Leben lang fragen, was wäre wenn? Keine Option! Ich wollte dieses Kind und ich wollte die Beste Mama der Welt werden, trotz meines Alters. Ich kaufte mir viele Babybücher, las Anleitungen übers Windelwechseln. Hach, ich hatte wirklich so gar keine Ahnung, es hat nie ein Baby in meinem Umfeld gegeben. Was ich hatte war eine starke Familie, sie richteten mir meine erste Wohnung ein, sie finanzierten einfach alles und das obwohl sie selbst nicht viel Geld hatten. In der 16. Ssw hatte ich in der Berliner Charite den Termin zur 3D Untersuchung, ich nahm meinen Vater mit. Der Arzt fragte ob ich das Geschlecht wissen möchte, ich konnte noch nicht einmal die Zeit vor Weihnachten aushalten, natürlich! Es ist ein Junge. Mein Vater sprang vorm Bildschirm hin und her: „Da schaut, das ist mein Enkel!“ Doch auf grosse Freude, folgte der Schock: “ Der Bauch ist offen, das Embryo zu schnell gewachsen. Der Darm ist ausserhalb des Körpers, wir wissen nicht ob er es schafft.“ Die follgenden Monate lag ich im Bett, mit dem wissen das es mein Baby schafft. Das alles gut wird und ein Stück weit mit der Hoffnung, dass die ärzte sich vielleicht dich irren. Jeden zweiten Tag zur Herztöne Kontrolle, das Kind in ihrem Bauch könnte jeden Moment sterben, sagte mein Frauenarzt mir. Na danke! Als wäre nicht alles schlimm genug, kommt dieser empathielose Mensch mir noch mit diesem Satz. Die folgenden Monate vergingen. Ich war einfach da. Der 23.August 2005, die Herztöne sind schlecht. Ich war in der Ssw 32+4 als klar war, sie müssen ihn sofort holen. Alles wird für die OP vorbereitet, als es hiess: “ Wir benötigen noch die Unterschriften ihrer Eltern für den Kaiserschnitt, da sie Minderjährig sind. Auch das noch, meine Eltern haben kein Auto und sind zwei Zugstunden entfernt. Bürokratie. Es wird auf morgen verschoben. Der 24. August 2005, ich werde in den OP gebracht. Es waren so viele Gefühle miteinander verbunden: Angst, Freude, Hoffnung und doch erlebe ich es wenn ich zurück denke, als stand ich daneben. Weit weg, als wäre alles nur ein böser Traum und mein Baby ist gesund und darf die vollen neun Monate in meinem Bauch sein. Die Krankenschwester streichelt mein Gesicht und flüstert: „Gleich ist er da und alles wird gut!“ Plötzlich schreit es, Gott sei dank, er lebt!!! Sie stecken ihn bis zum Hals in eine durchsichtige Tüte, der Darm soll so wenig Luft wie möglich abbekommen. Dann geht alles ganz schnell, Ärzte stehen parat und nehmen MEIN Kind in den Arm, nicht ich, nein, viele Fremde werden den so wichtigen Erstkontakt mit meinem Baby haben. Ich weine und weine, bis sich die Tür öffnet und der Kinderchirug einen Brutkasten und Maschinen vor sich her schiebt. Mein Sohn war bereits unter Narkose und er wolle mir die Chance geben hallo zu sagen bevor es in den OP geht. Ich habe ihn gestreichelt und sooo sehr gehofft das dies kein Abschied ist. Bange Stunden standen bevor und während ich im Bett lag und wartete konnte ich nicht verstehen wie die Welt sich weiter drehen kann. Für mich stand sie still. Dann die erlösende Nachricht, er lebt! Ich darf zu ihn. Da war er, 1630 Gramm/ 44 cm pures Leben… Mein Sohn! Nach acht Wochen im Krankenhaus und 3 weiteren Operationen durften wir endlich nach Hause. Die kommenden Jahre sollten zeigen wie gut er den schweren Start ins Leben verkraftet hat. Es war mir egal was kommen würde, wir haben das geschafft, wir schaffen alles. Kurz nach seinem dritten Geburtstag hatten wir die letzte grosse Untersuchung und gleichzeitig das schönste Geburtstagsgeschenk: Er hat sich völlig normal entwickelt und wird sein Leben ohne Einschränkungen leben können.

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